Wilhelmiten, Luther, Bier

Nach der Gründung des ersten Ordenssitzes von Wilhelmiter-Mönchen in Thüringen wurde nach einer Standortverlagerung vom heute noch so genannten "Mönchsfeld" zum Standort bald das Klostergelände mit der zugehörigen Kirche errichtet. Wohl schon früher gab es am "Heiligenstein" einsiedlerisch lebenden Christen, nun waren die Mitglieder des ursprünglich spanischen Ordens, von denen nie mehr als 13 gleichzeitig hier lebten und beteten, zuständig für die (geistliche) Versorgung der Wallfahrts-Kapelle auf der Scharfenburg und der Kirchen im Umland (Seebach, Ruhla, Farnroda) und die (leibliche) Versorgung der Pilger und Wanderer. Sie beherbergten die Reisenden und pflegten die Überfallenen.

 

In der Reformationszeit erkannte der letzte Prior des Klosters, Heinrich Zimmermann, die Richtigkeit der lutherischen Einsichten und bekehrte sich zum biblischen Glauben. So wurde er der erste lutherische Pfarrer von Thal, weiterhin zuständig für die Versorgung der alten Kapelle in Seebach und zeitweise auch für die Laurentiuskirche in Farnroda.

Nach einigen baulichen Veränderungen und der Reduktion des Gemeindebesitzes auf das eigentliche Kirchengebäude, bot im 19. Jahrhundert der Besitzer der Klosterschänke den Abkauf der Kirche und Neubau an anderem Ort an. Die Verträge wurden geschlossen. Als dann aber bekannt wurde, dass geplant war, den Kirchenraum als Stallung oder gar zur Erweiterung der Bier-Brauerei zu nutzen, wurde mit Hilfe der Gemeinde das historische Gebäude zurück gekauft.  Die Verlegung des Eingangs erfolgte wegen der Streckenführung der "Ruhlaer Bahn", die ungefähr auf der Route der jetzigen Straße verlief. Während von ihr nichts mehr zu sehen ist, besteht die Kirche weiterhin im Wechsel der Zeiten. Möglich wird das durch den Einsatz der Gemeindeglieder (zuletzt bei der Erneuerung 1988-1990) und die Unterstützung der Stadt Ruhla (zuletzt bei der Dachverstärkung 2009).