Seebach und sein "Wunderdoktor"

Zuerst gab es eine kleine Kapelle am Fuß der Wartberge. Sie war wohl von den iroschottischen Mönchen im 8. Jahrhundert gebaut worden, die auch außerhalb von Dörfern an heidnischen Heiligtümern Stätten der Anbetung des Christengottes errichteten. In diesem Fall handelte es sich vielleicht um die Quellen, an denen möglicherweise die germanische Wasen-Göttin Seba (Seebach = Quellen der Seba: "seba-waha") verehrt wurde.

Der aus ärmlichsten Verhältnissen (siebtes Kind, mit Übernahme des Elternhauses durch den ältesten Bruder auf die Straße gesetzt) stammende Wandtüncher Johannes Dicel entwickelte hervorragende Fähigkeiten in der Anwendung von Heilkräutern. So galt er bald als "Wunderdoktor", der trotz Anfeindung vom Fürstenhaus die offizielle Anerkennung als "medicus practicus", als nicht-studierter Erfahrungsmediziner erhielt. Weil er sich von Gott begabt wusste, wollte er aus Dankbarkeit auch anderen die Nähe zu Gott vermitteln. So beseelt vom Gedanken, den Kirchgang zu befördern, sammelte er in seinem Wartezimmer das Geld, um von 1734 bis 1736 die neue Kirche auf einem Felssporn in der Dorfmitte zu errichten. Sie löste die schwer zugängliche und fast verfallene ursprünliche Kapelle ab. 1740 stiftete Dicel auch das Pfarrhaus und ein Gelände zur Besoldung des Geistlichen und beförderte so durch die eigenen Kirchenbücher auch die dörfliche Eigenständigkeit Seebachs. Er sorgte auch für den Bau der Schule und das Gehalt des Lehrers und erwies sich so als Wohltäter und wurde zur herausragenden Persönlichkeit in der Ortsgeschichte.

Als Musterstadt der DDR-Industrialisierung "wurde" Seebach in den Jahren 1968 bis 1980 von einer Bevölkerungszahl von 750 auf 4500 Einwohner "angewachsen". Damit einher gingen viele Veränderungen. Noch heute spiegelt sich dieser Boom in der Bausubstanz, der Ortsgestaltung und Bevölkerungszusammensetzung wider.